Statement
Ich folge einer experimentellen Strategie. Die Linie wurde dabei immer mehr zum seismographischen und chronographischen Dokument des Prozesses, der sie hervorbrachte. Immanent war dabei die Suche nach dem Ausdruck mit den jeweils projektgerechtesten und einfachsten Mitteln.
Die Psychologie menschlichen Verhaltens und die Kreativität selbst sind die Themen. Durchschnittserwartungen von Stil werden dabei nicht bedient, es geht nicht um das vordergründig Äussere.
Alexander Kluge spricht von Kunst als einem "Garten der Gefühle".
In einem solchen Garten gibt es unterschiedliche Areale, Beete, die wollen gepflegt und erneuert werden...
So habe ich seit 2007 an der Perfektionierung der "seismographischen Zeichnungen" gearbeitet, welche in die farbigeren "Klanggärten", die "Resonanzen"und zuletzt die "Bodyseismography" übergingen. Auslöser all dieser Arbeiten war ursprünglich die intensiven Suche nach einer geeigneten bildnerischen Form parallel zu Klang infolge der gemeinsamen Aktion mit dem Ausnahmemusiker Gareth Lubbe, Viola und Stimme, 2007 in Kassel (Echobilder). Seine Obertonmusik ist etwas bislang noch nicht gehörtes und fördert meditatives bildnerisches Vorgehen ohne alte Assoziationen. Für mich ein befreiendes Erlebnis und ein starker Impuls zur Wiederaufnahme der Arbeit auf Leinwänden.
So enstand die Technik der sich langsam abzeichnenden Lineatur im Ölgrund auf Leinwänden zunächst passend und zeitgleich zu den Parallelklängen der Obertonmusik, später ganz frei.
Die mehrfach aufwändig grundierten Leinwände werden jetzt im Finish langsam, wie beim Harken eines Gartens, nur noch in einer Richtung bearbeitet, wobei sich eigene Körperreaktion seismographisch abzeichnet;
- Bodyseismography -.
Als Künstlerin bin ich Seismograph.
Diese Erkenntnis ist es wohl, die damit auf den Punkt gebracht wird.
Alle meine Vorlieben fliessen zusammen; das modellhafte Experiment, die Linie als Mittel der Aufzeichnung eines Prozesses und das langsame Ölmedium als konservierender Träger der Ergebnisse meiner Bemühungen.
Diese Arbeiten bilden inzwischen ein grosses Beet, sich immer mehr ausbreitend, auf dem Humus der Vergangenheit.





